Freitag, 24. Februar 2017

Welchen Einfluss haben die Softwareentwickler auf den Stilwandel im Banking?

Von Ralf Keuper

Kann man die Softwareentwickler zum Kreis der Künstler zählen? Einige, wie André Bajorat in Wie Banking Banken neu definiert – Banking ist Alltag, Banken sind es nicht!‘, sind dieser Ansicht. Unter einem Künstler verstehen wohl die meisten von uns berühmte Maler, Bildhauer, Musiker und Schriftsteller - wie beispielsweise, um ganz hoch zu greifen, Michelangelo. Was diesen Vergleich angeht, wird wohl kaum jemand den Künstlerbegriff auf Softwareentwickler anwenden. Andererseits stammt von Joseph Beuys der Satz "Jeder Mensch ist ein Künstler".

Der Einfluss der Softwareentwickler auf die verschiedenen Lebensbereiche, die mittlerweile fast alle von der Digitalisierung erfasst wurden, kann jedenfalls kaum überschätzt werden. Insofern ist die Beschäftigung mit dieser Berufsgruppe mehr als nötig. Einer der wenigen mir bekannten Artikel, der sich dem Thema gewidmet hat, ist Notizen zu einer Sozialgeschichte der Programmierung, der im Jahr 2014 in der Zeitschrift Merkur erschien, mittlerweile aber nicht mehr online zur Verfügung steht. Darin bemängelte der Autor Arne Janning, dass zwischen den Softwareentwicklern und dem Management noch immer ein Graben, ein Verständigungsproblem besteht. Während die Entwickler, hemdsärmelig, lieber gleich programmieren, als sich mit Modellen, Datenbankarchitekturen oder, ganz Meta, der Enterprise Architecture aufzuhalten, will das Management zunächst das Big Picture festlegen. Hier prallen zwei Welten aufeinander.

Bisher konnten sich die Softwareentwickler ihre (kleinen) Freiheiten bewahren; von der ansonsten weit um sich greifenden Automatisierung und Taylorisierung blieben die Softwareentwickler weitestgehend verschont. Aber - können Softwareentwickler frei über das Produkt entscheiden? Sind nicht auch sie an die Vorgaben der Auftraggeber gebunden? (Freilich: auch ein Michelangelo hat im Auftrag gearbeitet) Sicherlich liegt der Fall bei Startups anders. Hier kommen die Vorgaben vom Nutzer. Ein Kunstwerk im eigentlichen Sinne entsteht dabei jedoch nicht. Es handelt sich nicht um Werke, welche die Zeiten überdauern und eines Tages in den Museen zu sehen sind. Die Kunstgeschichte muss wohl um kein weiteres Kapitel ergänzt werden. 

Trotzdem halte ich es mittlerweile für gerechtfertigt, Softwareentwickler im weiteren Sinne zu den Künstlern zu rechnen; ähnlich wie die Baumeister und Steinmetze, die an den großen Kathedralen des Mittelalters gewirkt haben.


Haben die Gotischen Kathedralen und die Bank der Zukunft vielleicht mehr Gemeinsamkeiten, als auf den ersten Blick ersichtlich?

In Japan entsteht die weltweit erste Personal Data Bank

Von Ralf Keuper

Wenn in der Digitalmoderne Daten die neue Währung sind, dann ist die Gründung einer Personal Data Bank fast schon zwingend. Zu dieser Schlussfolgerung muss man in Japan gekommen sein. Dort soll bis zum nächsten Jahr die - in dieser Form - weltweit erste Personal Data Bank entstehen, wie in Japan takes step toward enormous bank of personal data zu lesen ist.

Über den Leistungsumfang der Personal Data Bank heisst es dort:

The so-called information bank would store data on customers currently held by companies and public entities. If an individual consents to the data being shared, the bank would provide the information to businesses in exchange for a fee. The platform could be run by a system development company or a telecommunications provider, for example. .. Some types of data the bank could hold include social network profiles, fitness data tracked through wearable devices, online shopping histories and GPS locations. Individuals will be able to choose which information they are willing to share, and with whom.
Die Idee einer Personal Data Bank war auf diesem Blog bereits häufiger ein Thema, wie in 
Als erstes Unternehmen, jedenfalls so weit mir bekannt, hat Telefonica auf diesen Stilwandel mit dem Bau einer Personal Data Bank reagiert. Nach meinen Eindruck reicht der Ansatz in Japan jedoch noch um einiges weiter, zumal hier die Regierung mit im Spiel ist:
The government will consider a certification system for businesses entrusted with running the framework as well as other security concerns.
In Deutschland befindet sich die Diskussion noch im Anfangsstadium. In seiner Stellungnahme zum "Grünbuch Digitale Plattformen" des Bundeswirtschaftsministerium, antwortete der Bundesverband deutscher Banken auf die Frage: Wo könnte ggf. die treuhänderische Wahrnehmung von Datenrechten durch Dritte hilfreich sein und wie könnte diese ausgestaltet werden? 
Um der Sensibilität der Verbraucherdaten gerecht zu werden, unterstützen wir die Überlegung, das Identity Management über zertifizierte „Trusted Third Parties“ zu operationalisieren. Diese Rolle der vertrauenswürdigen Partei könnten beispielsweise Unternehmen übernehmen, die bereits hohen regulatorischen Anforderungen unterliegen, geprägt durch hohe technische Sicherheits- sowie Datenschutzanforderungen. Insbesondere Banken weisen diese Eigenschaften auf und verfügen aufgrund ihrer geldwäscherechtlichen Identifizierungspflichten über geprüfte Identitäten sowie etablierte Authentifizierungsinfrastrukturen, die sich grundsätzlich auch zur Freigabe der Datenweitergabe an Dritte eignen würden. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass ein solcher Treuhand-Service mit einem hohen technischen und organisatorischen Aufwand verbunden ist. Als Konsequenz müssten solche Services bepreisbar sein und gleichzeitig mehrwertstiftenden Charakter für den Kunden haben.

New Banking: Ein kurzer Wochenrückblick #KW8

Von Ralf Keuper

Anbei eine Liste von Meldungen, die mir in dieser Woche besonders ins Auge gefallen sind:

Mittwoch, 22. Februar 2017

Bank of Amazon

Von Ralf Keuper

Die Frage, ob und wann Amazon in größerem Umfang in das Bankgeschäft einsteigt, wird seit einiger Zeit diskutiert. Im Januar 2015 stellte Philip Ryan fest, es gebe keine Anzeichen, dass Amazon in absehbarer Zeit eine Bank starten werde. Bereits im März desselben Jahres wertete ein Beitrag die Einführung von "Amazon Dash" als Signal dafür, dass Amazon sich als Payments-Anbieter im Internet of Things positioniert. 

Auf der Money2020 im Jahr 2016 sagte der Head of Payments von Amazon, Patrick Gauthier, Amazon halte Ausschau nach vielversprechenden Fintech-Startups. Für Branchenbeobachter kommt das Interesse von Amazon für den Fintech-Sektor nicht unerwartet; zu dem Zeitpunkt zählte Amazon Payments bereits 23 Millionen aktive Nutzer. Um nicht den Anschluss an Alipay, PayPal und Apple zu verlieren, sei die Akquisition passender Fintech-Startups kaum noch zu umgehen. 

Bereits im Jahr 2013 übernahm Amazon das italienische Startup GoPago. Insofern betritt Amazon hier kein Neuland. 

Im Juli 2016 gab Amazon bekannt, zusammen mit Wells Fargo Studentenkredite anzubieten.  In der vergangenen Woche kamen Gerüchte auf, Amazon könnte demnächst Capital One übernehmen. Da die Bankenregulierer in den USA sich mit dem Gedanken tragen, die Kundenkarten der Händler, auf denen nicht selten größere Geldbeträge hinterlegt sind, ebenso zu behandeln wie gewöhnliche Bankguthaben, sei die Akquisition einer Bank wie Capital One, die ohnehin schon einer größten Kunden von Amazon AWS im Finanzbereich ist, zumindest eine Überlegung wert. 

In Amazon to be a Fintech Leader? bescheinigt Rhucha Kulkarni Amazon gute Chancen, eine führende Rolle im Fintech-Sektor zu übernehmen:
Amazon has experience by way of being a successful retailer, and may do well to apply the same concepts in its fintech foray.
Weniger zuversichtlich ist Richard Gluyas in Amazon has many rivers to cross before it can break into banking.

Sonntag, 19. Februar 2017

"Der gute Banker" Roman von Paul Murray

Von Ralf Keuper

Der Roman Der gute Banker des irischen Autors Paul Murray wurde von der Kritik mit Lob überschüttet, wie in Paul Murray - Der gute Banker
Zentrale Figur und Ich-Erzähler ist ein Investmentbanker - der junge Franzose, Claude, arbeitet in Dublin bei einer Bank, die in der Finanzkrise in große Turbulenzen gerät. Parallel dazu gerät Claude in persönliche Turbulenzen – ausgelöst durch einen Schriftsteller, der ihm das Angebot macht, einen Roman über ihn zu schreiben.

Das bringt den jungen Banker ins Grübeln: Ist mein Leben überhaupt interessant genug für einen Roman? Das ist es aber nicht. Schließlich arbeitet Claude nur mit abstrakten, fragwürdigen Finanzprodukten und hängt mit seinen jungen Kollegen rum. Sie leben in einer Wohlstandsblase, während um sie herum die große Finanzblase platzt. Aber es wird trotzdem ein rasantes, dickes Buch von über 500 Seiten, das eine furiose große Geschichte erzählt.
Weitere Rezensionen / Besprechungen:

Dienstag, 14. Februar 2017

Digital Identity Startup Landscape

Von Ralf Keuper

Es ist bemerkenswert, wie viel sich in den letzten Monaten auf dem Gebiet der Digitalen Identitäten ereignet hat. Mittlerweile benötigt man, um den Überblick über die Startups und die anderen Anbieter zu behalten, entsprechende Übersichtskarten/Schaubilder, wie die Identity-Startup-Landscape und die Identity Industry Landscape

Zu den meiner Ansicht nach vielversprechendsten Einsatzfeldern der Blockchain-Technologie zählt das Management bzw. die Verwaltung der Digitalen Identitäten. Einen Überblick von Startups, die mit Hilfe der Blockchain-Technologie Digitale Identitäten adressieren, gibt der Beitrag 21 Companies Leveraging Blockchain for Identity Management and Authentication. Für Deutschland wäre Blockchain Helix aus Frankfurt zu nennen.