Montag, 5. Dezember 2016

Chatbot Banking (Artikelauswahl)

Von Ralf Keuper

Chatbots, text- und sprachbasierte Dialogsysteme, gelten momentan als eine der zukunftsträchtigsten Technologien. Ihre Einsatzmöglichkeiten sind schier unbegrenzt: Vom E-Commerce über das Online-Banking, vom Internet of Things (IoT) bis hin zu den Connected Cars; kaum ein Lebensbereich ist bzw. bleibt den Chatbots verschlossen. 
Anbei eine Auswahl von Beiträgen der letzten Monate, die sich zustimmend und/oder kritisch mit dem Thema Chatbots beschäftigen. 

Chatbots allgemein

Chatbots im Banking
Kritische Stimmen 
Mit fortschreitender Verbesserung sind Chatbots dabei nicht nur auf wenige eingegrenzte Themenbereiche (beispielsweise Wettervorhersage, Nachrichten usw.) begrenzt, sondern ermöglichen erweiterte Dialoge und Dienstleistungen für den Nutzer. Diese entwickeln sich so zu Intelligenten Persönlichen Assistenten.

Freitag, 2. Dezember 2016

New Banking: Ein kurzer Wochenrückblick KW#48

Von Ralf Keuper

Anbei eine Liste von Meldungen, die mir in dieser Woche besonders ins Auge gefallen sind:

Dienstag, 29. November 2016

Open Banking, Data Sharing und PSD2

Von Ralf Keuper

Die Einführung der Richtlinie über Zahlungsdienste (PSD2) wird das Banking verändern. Dadurch können sog. Third Party Provider Aufgaben übernehmen, die sonst eher in die Zuständigkeit von Banken gefallen wären. Dazu zählt auch die Tätigkeit als Account Information Service Provider. Unterhält ein Kunde Konten bei mehreren Banken, kann der Account Information Service Provider die Zusammenführung und das Teilen der Daten übernehmen. So kann der Kunde seine Finanzdaten Dritten, wie Vergleichsplattformen oder anderen Banken/Finanzdienstleistern, zur Verfügung stellen, um das für ihn beste Angebot ausfindig zu machen. Hierfür stehen bereits Lösungen zur Verfügung, wie das eWise Personal Finance Management Tool

Die neuen Möglichkeiten, die sich für die Kunden mit dem Open Banking eröffnen, beschrieb André Bajorat von figo kürzlich in einem Interview
Dann kann ich etwa bei einem Vergleichsportal meine Daten für mein Sparkassenkonto, meine Lufthansa Miles & More Kreditkarte, mein Paypal-Konto und meinen Darlehensvertrag hinterlegen. Das ist dann mein finanzielles Zuhause - nicht mehr meine Hausbank. 
Einige Banken sehen in PSD2 auch eine Chance, wie in Regulation + innovation = a better deal for bank customers zu lesen ist; in Fragen der Sicherheit genießen Banken nach wie vor großes Vertrauen bei den Kunden. Lesenswert und informativ in dem Zusammenhang ist Payment Services Directive 2. An open door to threat? Or a gateway to a whole new digital ecosystem?Gleiches gilt für Finanz-APIs benötigen Regelungen weit über die technischen Aspekte hinaus: Beispiele von Open APIs in der Finanzindustrie.

Die australischen Banken fordern unterdessen verbindliche Standards für das Teilen der Daten, wie aus Banks call for data-sharing governance standards hervorgeht. Nach Ansicht der dortigen Banken sind Fragen der Sicherheit beim Data Sharing noch nicht ausreichend geklärt.
In Australien sind Offene Schnittstellen (Open APIs) im Banking noch nicht sehr verbreitet, wie Atlassian-Mitgründer Mike Cannon-Brookes kritisiert.  

Alles in allem tun sich hier für die Kunden und Anbieter neue Chancen auf. 

Weitere Informationen / Update

Banking Data For Third Parties

Freitag, 25. November 2016

New Banking: Ein kurzer Wochenrückblick #KW47

Von Ralf Keuper

Anbei eine Liste von Meldungen, die mir in dieser Woche besonders ins Auge gefallen sind:

Donnerstag, 24. November 2016

Personal Data Banks: Telcos übernehmen die Führung

Von Ralf Keuper

Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Personal Data Banks auf der Bildfläche erscheinen. Während die Banken sich noch in Zurückhaltung üben, ergreifen einige Telcos die Initiative. Allen voran Telefónica. Dort bereitet man an der Lancierung einer Personal Data Bank, mit deren Hilfe die Kunden die Hoheit über ihre Daten gewinnen und Kapital daraus schlagen können, wie aus Telefónica to create personal data bank for customers, expose “unfair” apps hervorgeht. Telefónica reagiert damit auf die Einführung der General Data Protection Rules, welche u.a. die Verwendung der Kundendaten an die explizite Zustimmung der Kunden knüpft und den Anbieterwechsel durch Datenportabilität erleichtern will. 

Vor wenigen Wochen gab Telefónica die Gründung des Startups Telefónica Next bekannt. Kurz zuvor wurde die Telefónica Data Anonymization Platform (DAP) vorgestellt. Gemeinsames Ziel ist es, die anonymisierten Daten anderen Anwendungen, wie im Bereich Smart Cities oder Internet of Things, zur Verfügung zu stellen. 

Als weiteres Ziel sehen Marktbeobachter den Markteintritt der großen Telcos in den Werbemarkt, wie in How telcos like Telefonica plan to muscle in on adland
Der große Kundenstamm und die Kontrolle wichtiger Teile der Kommunikationsinfrastruktur sind beste Voraussetzungen dafür, um im Datenmarkt eine führende Rolle übernehmen zu können und Google und facebook Paroli zu bieten.

Auch die Banken sind durch die GDPR und PSD2 von der geschilderten Entwicklung betroffen. 

Dienstag, 22. November 2016

"Schädliche Nebenwirkungen": Zur belastenden Wirkung der Finanzmarktregulierung auf regionale Wirtschaft und Privatkunden

Von Ralf Keuper

Nach Ansicht vieler Vertreter aus den Reihen der Regionalbanken führt die Regulatorik, wie etwa Basel III, zu einer Benachteiligung ihrer Institute, da sie gezwungen sind, Verfahren zu implementieren, die ihrem Geschäftsmodell und den damit verbundenen Risiken nicht entsprechen. Das Risikoprofil einer Genossenschaftsbank unterscheidet sich deutlich von dem einer international agierenden Großbank. Es werde allzu häufig "mit Kanonen auf Spatzen geschossen". 

Um den empirischen Nachweis für diese bei den Regionalbanken (Genossenschaftsbanken und Sparkassen) weit verbreitete Haltung zu erbringen, beauftragte der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) Prof. Dr. Stephan Paul von der RuhrUni Bochum mit der Durchführung der Studie Abschätzung der kumulierten Effekte von Finanzmarktregulierungen am Beispiel der deutschen Genossenschaftsbanken. Diese beruht auf 18 Tiefeninterviews mit Entscheidern aus Genossenschaftsbanken. Weiter heisst es in der Pressemitteilung
Die Stichprobe setzt sich aus Banken zwischen 100 Millionen bis 6 Milliarden Euro Bilanzsumme zusammen. Die Gespräche wurden im Februar 2016 geführt.
Regulatorische Bestimmungen üben, wie andere externe Faktoren auch,  einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Geschäftsstrategien und die Geschäftsmodelle  der Genossenschaftsbanken aus: 
Geschäftsstrategische Maßnahmen können auch zu einer Adjustierung des bestehenden Geschäftsmodells führen. Veränderte Rahmenbedingungen – sei es im Wettbewerbsumfeld oder angesichts sonstiger wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und/oder regulatorischer Entwicklungen – können eine Überarbeitung der grundsätzlichen Logik und Architektur des Unternehmens notwendig machen, um zukünftig weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben.
Über die Auswirkungen der Regulatorik auf die Kostenstrutkur der Genossenschaftsbanken: 
Vor dem Hintergrund der eigentlichen Zielsetzung dieser Studie bleibt damit festzuhalten, dass über die Analyse der Auswirkungen regulatorischer Anforderungen auf die Geschäftsstrategien und -modelle kleiner und mittlerer Banken hinaus auch Aussagen hinsichtlich der finanziellen Dimension getroffen werden können. Die Untersuchung von Strategien und Modellen bzw. deren regulatorisch induzierten Veränderungen ist ein erster notwendiger Schritt, um eine umfassende Ermittlung und Diskussion der kumulierten Effekte der Banken- und Finanzmarktregulierung – und damit der expliziten Berücksichtigung von indirekten Kosten – vornehmen zu können.
Die Umsetzung der neuen regulatorischen Bestimmungen stellt die Institute vor große Herausforderungen: 
Darüber hinaus sehen sich insbesondere die Führungskräfte von Banken gegenwärtig mit einer Vielzahl von Veränderungen im regulatorischen Umfeld konfrontiert, deren Anforderungen zum einen verschiedenste Unternehmensbereiche und Geschäftsfelder der Kreditinstitute adressieren und zum anderen signifikante Einschnitte in die bestehenden Strukturen und Prozesse mit sich bringen. Die Analyse der Auswirkung neuer bzw. strengerer regulatorischer Maßnahmen auf die geschäftsstrategische Ausrichtung und der Geschäftsmodellarchitektur stellt damit eine komplexe und zum Teil sehr unternehmensspezifische Fragestellung dar.
Häufig lasse die Beschäftigung mit der Regulatorik kaum noch Zeit und Geld übrig, um sich mit dem zunehmendem Wettbewerb, wie den zahlreichen Fintech-Startups, gezielt auseinandersetzen zu können: 
Immerhin ein Drittel der befragten Institute sieht speziell im Kontext der soeben beschriebenen FinTechs einen potenziellen Anknüpfungspunkt zur Regulatorik (6 Incidents). Die Befragten nennen die ungleiche regulatorische Behandlung von Banken und technologiegetriebenen Unternehmen als eine Ursache für die Erhöhung der Wettbewerbsintensität. Die Interviewten beklagen insbesondere, dass sich die Institute einerseits aufgrund der enormen regulatorischen Belastungen nur unzureichend mit den Herausforderungen der Digitalisierung auseinandersetzen können, da Projektbudgets erschöpft bzw. Mitarbeiter zu stark in Regulierungsvorhaben involviert sind.
Bezogen auf die anderen Banken konnte die Mehrheit der Befragten keinen Nachteil feststellen:
Rund 67% und damit die überwiegende Mehrheit der befragten Institute konstatiert jedoch, dass die Regulierung an sich kein relevanter Wettbewerbsfaktor zwischen den Banken ist, da für sämtliche Institute die gleichen Regeln gelten (12 Incidents).
Die Regulatorik kann sogar eine Schutzfunktion erfüllen, indem sie die Markteintrittsbarrieren für neue Mitbewerber erhöht: 
Während der überwiegende Teil der Institute die ungleichen regulatorischen Rahmenbedingungen als Nachteil für die etablierten Banken ausmachen, verweisen einige Experten jedoch auch darauf, dass die Regulatorik für FinTechs auch eine Eintrittsbarriere in viele klassische Bankgeschäfte darstellt und damit die etablierten Kreditinstitute in einigen Geschäftsbereichen vor neuen Wettbewerbern schützt. Ferner wird betont, dass Banken insofern einen entscheidenden Vorteil gegenüber diesen zumeist Start-up-Unternehmen haben, als sie eine hohe Expertise im Kontext regulatorischer Themen aufweisen (können).
Bauchschmerzen bereitet den Genossenschaftsbanken die Überarbeitung der ZÄR: 
Insbesondere regional ausgerichtete Institute des Genossenschaftssektors sehen sich perspektivisch aufgrund ihres klassischen Geschäftsmodells (Aufnahme von Einlagen, Vergabe von Krediten) besonders stark von der Überarbeitung der ZÄR im Anlagebuch betroffen (14 Incidents).
Weiterhin: 
Angesichts der Geschäftsmodellarchitektur und des ausgeprägten Fokus auf dem Kreditgeschäft gehen rund ein Drittel der interviewten Genossenschaftsbankvertreter von einem signifikanten Einfluss aufgrund der Überarbeitung des KSA aus, der – je nach finaler Ausgestaltung – zu einer deutlichen Adjustierung der Risikogewichte von Forderungen führen und damit über die Variation der Höhe der risikogewichteten Aktiva auch die Höhe der geforderten Eigenmittel tangieren wird (6 Incidents). Vor diesem Hintergrund erachten die Institute einen strategischen Effekt im Kreditgeschäft als sehr wahrscheinlich
Die Auswirkungen der LCR wird von konservativen Instituten anders bewertet als von den risikobereiten: 
Die unterschiedliche Wahrnehmung des Einflusses der LCR auf der strategischen Ebene zeigt sich auch im Rahmen der Evaluation der finanziellen Einbußen. Während konservativer ausgerichtete Institute die Belastungen als existent, jedoch gering einstufen, betonen die risikobereiteten Genossenschaftsbanken vor allem den Minderertrag und somit die Opportunitätskosten zu ansonsten durchgeführten Alternativgeschäften.
Zu den Meldeanforderungen: 
Die Gesprächspartner konstatieren jedoch, dass durch die laufend einzuhaltenden Meldevorschriften keine relevanten strategischen Ebenen tangiert werden. Vielmehr ist zu erwarten, dass sich nach erfolgreicher EDV-Umsetzung der vielzähligen Meldeanforderungen die laufenden Aufwendungen auf ein stabiles Niveau einpendeln und somit keine längerfristigen, strukturellen Auswirkungen aufweisen, sondern vielmehr nur noch die operative Ebene genossenschaftlicher Kreditinstitute tangieren werden
Fazit: 

Es ist nicht zu übersehen, dass die Regulatorik die Geschäftsstrategien und Geschäftsmodelle der Genossenschaftsbanken beeinflusst. Das macht sich vor allem auf der Kostenseite bemerkbar. Allerdings sind die Effekte der Regulatorik nicht nur negativ - sie dienen u.a. auch dem Schutz vor neuen Wettbewerbern, die, wenn sie in großem Stil ins Bankgeschäft einsteigen wollen, denselben Restriktionen unterliegen. 
Die Regulatorik ist ein, jedoch nicht der einzige externe Faktor, der die Geschäftsstrategien und Geschäftsmodelle der Banken beeinflusst. Im Vergleich zur Technologie ist die Möglichkeit zur Einflussnahme im Bereich der Regulatorik zwar größer. Die Gefahr besteht allerdings darin, dass die Fixierung auf die Regulatorik den Blick für die wirklichen Herausforderungen gesellschaftlicher, technologischer und wissenschaftlicher Art versperrt. Denn auch die großen Technologiekonzerne müssen sich mit externen Faktoren auseinandersetzen, die kaum mit dem Kerngeschäft zu tun haben.

Die Regulatorik kann dazu führen, dass die Geschäftsmodelle der Banken sich angleichen und die Vielfalt bzw. die Stilarten im Banking darunter leiden. Hinzu kommt, dass als Folge der Gleichförmigkeit der Geschäftsmodelle die Gefahr von Klumpenrisiken steigen kann und die Versorgung der regionalen Wirtschaft und der Kunden leidet. Insofern ist die Kritik der Regionalbanken, die für mehr Verhältnismäßigkeit plädieren, durchaus berechtigt. 

Weitere Informationen:

Freitag, 18. November 2016